von Dorothee Kanitz
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30. November 2025
Aufblühen – so ein schönes Bild 😊 – ich liebe es… es erinnert mich (jetzt) an die Barbara-Zweige, die ich gern Anfang Dezember in die Vase stelle, damit sie an Weihnachten blühen. Und an die Magnolie vor dem Haus, deren Knospen jetzt schon zu sehen sind, und die im Frühjahr immer dicker werden, täglich mehr, und die sich dann ent-falten, auch das täglich mehr, bis eines Tages – wenn die Frühlingssonne so richtig schön scheint – die Blüten plötzlich da sind. Nicht alle auf einmal, jede in ihrem eigenen Tempo. Da, wo die Sonne direkt hin scheint, am ehesten. Aufblühen – die Barbarazweige brauchen ein warmes Zimmer, gleichzeitig aber keine direkte Heizungsluft, um aufzublühen. Die Magnolien Sonne. Und ich – ich habe einen Entschluss gefasst: Ich blühe unter meiner Zuwendung auf. Ich bin sozusagen die Sonne für mich und mein Erblühen, Aufblühen. Das ist mein SATZ für die kommenden Wochen, sagen wir, für die Adventszeit. Ich blühe auf. Ich bin alt genug, um zu wissen, dass ich nicht ganz von alleine aufblühe. Es braucht auch bei mir Wärme und Zuwendung dafür. Und wer könnte sie mir besser geben als ich selbst? Schließlich bin ich 24 Stunden am Tag in meiner Gesellschaft – das kann mir niemand anders bieten. 24 Stunden Zuwendung?! Zu mir? Wie soll das gehen? Na, vielleicht fange ich einfach klein an: Jeden Tag eine zugewandte Handlung, ein zugewandter Gedanke, ein zugewandter (freundlicher) Satz zu mir, über mich zu anderen … das sollte machbar sein. Eine Art Zuwendungs-Adventskalender. Geht auch bei echter Zeitknappheit, die ja vor Weihnachten bei vielen die Regel ist. Am 1. Dezember eine ganz bewusste Dusche, mit dem besten Duschgel und liebevollem Einseifen, begleitet vom Gedanken: Ich lasse gehen, was ich nicht mehr brauche und bin mir zugewandt. Am 2. Dezember fünf Minuten Gymnastik, bei der ich meinem Körper mitteile, wie sehr ich mich freue, dass er sich bewegen kann und dass ich ihm danke, dass er solange schon für mich da ist. Am 3. Dezember ein Spaziergang, alleine oder mit einem Lieblingsmenschen, bei dem ich tief atme und mich freue, dass ich lebe, dass ich frische Luft einatme und die verbrauchte abgeben darf (übrigens eine gute Entsäuerungsmethode!). An einem Adventssonntag vielleicht eine Stunde mit einem Buch, das mir gut tut und mich bestärkt. Oder ein klares „Nein“ zu der x-ten Adventsfeier, die ich besuchen soll (und „eigentlich“ nicht will). Je länger ich mit dem Gedanken, mit dem SATZ spiele, desto besser gefällt er mir. Und desto mehr fällt mir ein. Ich könnte – nein, ich will! – auf meine Gedanken achten, die unfreundlichen abpassen und verändern in freundliche, zugewandte. Ich könnte – nein, ich will! – bewusst beim Einschlafen nicht nur „Danke“ sagen, sondern gleich noch „ich liebe d/mich“ hinterher. Ich will mich am Morgenrot freuen und am goldenen Abendlicht, an den wilden Wolken. Ich will mir Zeit nehmen zu meditieren und wenn ich es nicht schaffe, freundlich zu mir sein. Ich will mich wohl in meiner Haut fühlen – und wenn nicht, will ich sanft mit ihr und mir umgehen. Und wenn ich in Stress gerate, schimpfe ich nicht mit mir, sondern atme tief ein und aus – sobald ich dran denke (wann immer das sein mag). Und wenn ich Zeit habe, überlege ich mir neue Formen von Zuwendung zu mir (und dann auch anderen). Schon jetzt, wo ich schreibe, spüre ich, dass ich mich verändere, dass das Aufblühen ganz von alleine beginnt. Ich blühe unter meiner Zuwendung auf. Was für ein großartiger Satz. Was für ein gutes Gefühl, wenn ich mich darauf einlasse. Auf meinen Advents-Aussichts-Satz. (Advent heißt übrigens Ankunft. Ich möchte bei mir ankommen. In der Tiefe, da wo der Gott-Funke/ das Christuslicht leuchtet. Wo sonst? Zuwendung scheint mir eine gute Möglichkeit.)